Wie groß ist der Fachkräftemangel 2026 wirklich?
Die Zahl der Engpassberufe sinkt das dritte Jahr in Folge, und trotzdem stehen 157 Berufe auf der Liste. Was beide Zahlen zusammen für Ihre eigene Stelle bedeuten.
Von Ken Pauw, Head Of Recruitment
Kleiner als vor drei Jahren, und trotzdem groß. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zählt für das Berichtsjahr 2025 genau 157 Engpassberufe, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Weitere 161 Berufsgattungen stehen unter Beobachtung. Der Mangel schrumpft also, aber er verschwindet nicht.
Wie viele Engpassberufe zählt die Bundesagentur für Arbeit?
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht diese Analyse einmal im Jahr. Sie geht die Berufsgattungen des Landes durch und ordnet ein, in welchen davon der Arbeitsmarkt Anzeichen eines Engpasses zeigt. Für das Berichtsjahr 2025 kommt sie auf 157 Engpassberufe. Daneben stehen 161 Berufsgattungen unter Beobachtung, also Berufe, bei denen die Analyse Anzeichen sieht, ohne sie schon als Engpassberuf einzustufen.
Drei Jahre nacheinander geht die Zahl nach unten: 183, dann 163, dann 157. Wer nur diese Linie liest, kommt zu dem Schluss, dass sich der Arbeitsmarkt entspannt. Formal stimmt das auch, und 26 Engpassberufe weniger als 2023 sind keine Kleinigkeit.
Trotzdem ist 157 keine kleine Zahl, und die 161 Berufe unter Beobachtung zeigen, wie schmal der Rand um diese Liste herum ist. Die Grenze zwischen Engpass und kein Engpass ist keine Mauer, sondern eine Einordnung, die sich mit dem nächsten Bericht wieder verschieben kann.
Vor allem aber ist die Zahl das, was sie ist: eine Zählung über alle Berufsgattungen des Landes hinweg. Sie sagt etwas über die Summe des Arbeitsmarktes. Über die Stelle, die bei Ihnen seit vier Monaten offen ist, sagt sie nichts.
In welchen Berufsfeldern sitzt der Engpass 2026 noch?
Die Analyse für das Berichtsjahr 2025 hebt zwei Felder hervor: Pflege- und Gesundheitsberufe sowie Bau- und Handwerksberufe. Welche einzelnen Berufsgattungen in einem bestimmten Jahr genau auf der Liste stehen, steht in der Analyse selbst. Wir nennen hier nur die Felder, die der Bericht selbst benennt, und erfinden keine Rangliste dazu.
Für Arbeitgeber in diesen Feldern ändert eine sinkende Gesamtzahl wenig am Alltag. Wer im Gesundheitswesen eine Fachkraft sucht oder in Bau und Infrastruktur eine Position besetzen will, konkurriert weiterhin mit jedem anderen Arbeitgeber in derselben Region um dieselben Menschen. Wie sich das je nach Branche unterscheidet, steht in unserer Übersicht der Branchen.
Umgekehrt gilt genauso: Steht Ihr Beruf nicht auf der Liste und bleibt Ihre Stelle trotzdem monatelang offen, dann liegt es nicht an der Marktlage. Dann liegt es an der Region, an der Stellenanzeige, an den Kanälen oder an der Geschwindigkeit Ihres Verfahrens. Das ist eine unangenehmere Diagnose, aber es ist die, an der Sie tatsächlich etwas ändern können.
Was bedeutet eine sinkende Zahl für Ihre eigene Stelle?
Hier liegt der Denkfehler, der in fast jedem Artikel über dieses Thema steckt. Eine sinkende Zahl von Engpassberufen ist keine sinkende Knappheit in Ihrem Beruf. Es ist eine Zählung, die um einige Positionen kürzer geworden ist. Ihr Beruf steht entweder darauf oder nicht, und das ändert sich nicht ein bisschen, sondern gar nicht oder ganz.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Prüfen Sie die Lage für Ihre Berufsgattung und Ihre Region, nicht für das Land. Zweitens: Warten Sie nicht auf eine Entspannung, die für Sie vielleicht nie eintritt. Eine Stelle, die offen bleibt, kostet jeden Monat dasselbe, egal was die Jahresstatistik sagt.
Wir haben dieselbe Frage in diesem Sommer bei den Statistikbehörden von drei Ländern nachgeschlagen, jeweils in der Quelle des Landes selbst. Das Bild ist drei Mal dasselbe: Die Gesamtzahlen entspannen sich, und die Berufe, in denen es hakt, bleiben stehen. Das ist keine Vorhersage, sondern eine Beobachtung an drei amtlichen Datensätzen, im selben Sommer nachgeschlagen.
Was fragen uns Arbeitgeber zum Fachkräftemangel 2026?
Ist der Fachkräftemangel 2026 vorbei?
Nein. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zählt für das Berichtsjahr 2025 immer noch 157 Engpassberufe, und weitere 161 Berufsgattungen stehen unter Beobachtung. Die Zahl sinkt seit 2023, das stimmt, aber sie sinkt von einem hohen Niveau aus. Für die betroffenen Berufe hat sich an der Ausgangslage wenig geändert.
Welche Berufsfelder sind 2026 am stärksten betroffen?
Die Analyse für das Berichtsjahr 2025 hebt Pflege- und Gesundheitsberufe sowie Bau- und Handwerksberufe hervor. Das sind zwei sehr große Felder, in denen viele Arbeitgeber gleichzeitig suchen. Welche einzelne Berufsgattung in Ihrem Fall betroffen ist, steht in der Analyse selbst; eine allgemeine Rangliste ersetzt diesen Blick nicht.
Warum bleibt meine Stelle offen, obwohl die Zahl der Engpassberufe sinkt?
Weil eine Landeszahl nichts über eine einzelne Position aussagt. Sie ist ein Durchschnitt über alle Berufe, alle Regionen und alle Qualifikationsniveaus. Bleibt Ihre Stelle offen, dann liegt die Ursache in Ihrem Beruf, Ihrer Region oder Ihrem Verfahren. Für schwer zu besetzende Stellen hilft nur der Blick auf genau diese drei Punkte.
Sollte ich mit der Besetzung warten, bis sich der Markt weiter entspannt?
Das ist eine Wette auf eine Bewegung, die für Ihren Beruf vielleicht nicht stattfindet. Die Zahl der Engpassberufe ist seit 2023 gesunken, ohne dass die hervorgehobenen Felder gewechselt haben. Eine unbesetzte Stelle kostet in der Zwischenzeit weiter, in Überstunden, in verschobenen Aufträgen und in der Belastung des Teams.
SocialFind ist eine Recruiting-Agentur aus Tilburg, die Arbeitgeber bei offenen Stellen unterstützt; welche Wege es dafür gibt, lesen Sie unter Mitarbeiter finden.
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