Tariferhöhung 2027: Was bedeuten die neuen Tarifrunden für Ihr Recruiting?

Die Tarifverdienste lagen zuletzt 2,5 Prozent über dem Vorjahr, der Mindestlohn steigt 2027 auf 14,60 Euro. Was das für das Gehalt in Ihrer Stellenanzeige bedeutet.

Von Pieter van Dooren, Co-Founder

Die tariflichen Monatsverdienste in Deutschland lagen im zweiten Quartal 2026 um 2,5 Prozent über dem Vorjahresquartal, ohne Sonderzahlungen gerechnet, meldet das Statistische Bundesamt. Zum 1. Januar 2027 steigt außerdem der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro. Und in der Metall- und Elektroindustrie wird gerade über die Löhne für 2027 verhandelt.

Wie stark steigen die Tariflöhne 2027?

Eine Zahl für das ganze Jahr 2027 gibt es noch nicht, weil viele große Tarifverträge erst verhandelt werden. Was es gibt, ist der Trend. Der Tarifindex des Statistischen Bundesamts zeigte Ende 2025 noch ein Plus von 4,0 Prozent zum Vorjahresquartal, im ersten Quartal 2026 dann 2,7 Prozent und im zweiten Quartal 2,5 Prozent. Die Tarifsteigerungen werden also kleiner, bleiben aber deutlich im Plus.

Mit Sonderzahlungen gerechnet lag der Anstieg im zweiten Quartal 2026 bei 2,1 Prozent. Der Unterschied zeigt, wie viel in Einmalzahlungen und Prämien steckt, die in einem Jahr gezahlt werden und im nächsten nicht. Für ein Gehaltsangebot ist die Zahl ohne Sonderzahlungen die nützlichere, denn sie zeigt, wie sich die Tabellen selbst verschieben.

Fest steht dagegen der Mindestlohn. Die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung setzt ihn ab dem 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro und ab dem 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro brutto je Stunde. Das ist ein Plus von gut 5 Prozent in einem Schritt. Wer in einfachen Tätigkeiten nahe am Mindestlohn bezahlt, muss also ohnehin neu rechnen.

Welche Tarifrunden laufen gerade?

Im Herbst 2026 steht vor allem die Metall- und Elektroindustrie im Blick. Die IG Metall verhandelt dort für rund 3,7 Millionen Beschäftigte, regional in 15 Tarifgebieten. Sie fordert 5 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 12 Monaten, dazu die Sicherung von Arbeitsplätzen und eine tarifliche Gewinnbeteiligung in gut laufenden Unternehmen. Die erste Runde brachte keine Annäherung, die Arbeitgeber legten kein Angebot vor. Die zweite Runde beginnt am 27. Oktober, und die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026. Danach sind Warnstreiks möglich.

Eine Forderung ist kein Abschluss. Wie viel am Ende herauskommt, weiß heute niemand, und die Lage in der Branche ist sehr unterschiedlich: Die IG Metall selbst beschreibt eine schwächelnde Auto- und Zulieferindustrie neben gut ausgelasteten Bereichen wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik. Für Ihr Recruiting heißt das vor allem: Wer im Metall- und Elektrobereich Personal sucht, sollte damit rechnen, dass die Tabellen für 2027 in den kommenden Wochen neu gesetzt werden.

Was bedeutet die Tariferhöhung für Ihre Stellenanzeige?

Ihr Gehaltsangebot altert, während Sie suchen. Eine Stelle, die Sie heute ausschreiben, besetzen Sie oft erst zum Jahreswechsel oder danach. Nennen Sie das Gehalt nach der Tabelle von 2026, liegt es am ersten Arbeitstag womöglich schon unter dem neuen Tarif, und Bewerbende, die vergleichen, sehen anderswo eine höhere Zahl.

Drei Dinge helfen.

Nennen Sie die Zahlen, die am Starttag gelten. Ist Ihr Tarifabschluss für 2027 schon bekannt, schreiben Sie die neue Entgeltgruppe in die Anzeige und sagen Sie, ab wann sie gilt. Steht er noch aus, nennen Sie das aktuelle Gehalt und den Hinweis, dass eine Tariferhöhung folgt. Warum das Gehalt in der Anzeige so viel Gewicht hat, lesen Sie in welche Arbeitsbedingungen Bewerbende wirklich abwägen.

Ohne Tarifbindung schauen Sie auf die Tarife um Sie herum. Ein Betrieb ohne Tarifvertrag muss keine Tariferhöhung zahlen, aber Bewerbende vergleichen mit dem, was sie in der Branche bekommen würden. Bleibt Ihr Gehalt 2027 auf dem Stand von 2026, während die Tabellen um Sie herum steigen, werden Sie still und leise der Arbeitgeber, den man verlässt. Wie knapp Fachkräfte in vielen Berufen sind, steht in unserem Beitrag zum Fachkräftemangel 2026.

Rechnen Sie Ihre Recruitingkosten mit den Löhnen von 2027. Eine Stelle, die drei Monate offen bleibt, kostet Sie eine Arbeitskraft, die in dieser Zeit fehlt. Überbrücken Sie die Lücke mit externen Kräften, steigen deren Sätze oft zum Jahreswechsel mit. Wie sich die Kosten von Interim und Auslagerung unterscheiden, lesen Sie bei RPO oder Interim-Recruiter und RPO oder Personalvermittlung. Was Recruiting über uns kostet, steht auf unserer Preisseite.

Was fragen Arbeitgeber uns zu Tariferhöhungen und Recruiting?

Muss ich ohne Tarifvertrag die Löhne erhöhen?

Nein, außer ein Tarifvertrag wurde für Ihre Branche für allgemeinverbindlich erklärt, oder Ihre Arbeitsverträge verweisen auf einen Tarif. Der gesetzliche Mindestlohn von 14,60 Euro ab 1. Januar 2027 gilt dagegen unabhängig von einem Tarifvertrag. Darüber hinaus gilt: Bewerbende und Ihre eigenen Leute vergleichen Ihr Gehalt mit den Tarifen ihres Fachs. Wer ein Jahr zurückbleibt, merkt das oft zuerst an Absagen nach dem Gehaltsgespräch.

Soll ich eine Einmalzahlung in das Gehalt in der Anzeige einrechnen?

Besser nicht. Eine Einmalzahlung kommt einmal und hebt die Tabelle nicht an. Wer sie auf das Monatsgehalt umlegt, verspricht etwas, das im Folgejahr nicht wiederkommt. Nennen Sie sie getrennt. Dass Sonderzahlungen schwanken, sieht man auch im Tarifindex: Im zweiten Quartal 2026 lag der Anstieg mit Sonderzahlungen bei 2,1 Prozent, ohne bei 2,5 Prozent.

Wann steht fest, wie viel die Metall-Tarifrunde bringt?

Das hängt vom Verlauf der Verhandlungen ab. Die zweite Runde beginnt am 27. Oktober 2026, die Friedenspflicht endet am 31. Oktober. Weil in 15 Tarifgebieten getrennt verhandelt wird, kann es auch regional unterschiedliche Termine geben. Planen Sie bis dahin mit einer Spanne und passen Sie die Anzeige an, sobald die neue Tabelle feststeht.

Mit welcher Zahl soll ich für 2027 planen?

Mit Ihrem eigenen Tarifvertrag, wenn es einen gibt. Ohne Tarif ist der Tarifindex des Statistischen Bundesamts ein brauchbarer Anhaltspunkt für die Gesamtwirtschaft, zuletzt 2,5 Prozent zum Vorjahresquartal. Ihre Branche kann darüber oder darunter liegen; die Forderung der IG Metall zeigt, wo die Gewerkschaft in einer großen Branche einsteigt, nicht wo sie landet.

SocialFind hat diesen Artikel auf Grundlage des Tarifindex des Statistischen Bundesamts, der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung und der Angaben der IG Metall zur Tarifrunde geschrieben, geprüft am 22. Oktober 2026. Dies ist keine Rechtsberatung. Wenn Sie solche Artikel per E-Mail erhalten möchten, melden Sie sich für unseren Newsletter an.

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